Ich bin Charly
 

Ghana - Graupapagei
Charlotte, genannt Charly

Geschlüpft:
30. Juni 1998

Brutstätte: 
Waldkirch im Schwarzwald

Naturbrut

Geschlecht:
weiblich

Charakter:
neugierig,
raffiniert,
und etwas "etepetete"

O-Töne [0,8 MB] (badisch)

[Mache mer Musik? - Was mach'sch dü do? - Mache mer Musik? - Tschau - Wu isch er? - Geh' mer raus?
d.h.
: Machen wir Musik? - Was machst du da? - Wo ist er? - Gehn wir raus?]

 

 

Im Oktober 98 holte mich mein neuer Paps bei meinem Züchter ab. Das war vielleicht ein Ding! Da bin ich nun zwei Wochen munter und fidel mit meinen Eltern in der Voliere rumgeflogen und dann steckte mich dieser Kerl in eine kleine Kiste, übergab mich einfach einem wildfremden Menschen und wie sich das Türchen wieder öffnete war ich ganz woanders.

Ich hatte vielleicht Angst! Meine Eltern waren weg und ich saß fest in einem Käfig, den ich nicht kannte, in einem Zimmer, das ich noch nie gesehen hatte und ständig kamen diese fremden Leute und redeten auf mich ein. Sicherheitshalber hab ich immer ganz doll geschrien, wenn sie in meine Nähe kamen, so dass sie mich einfach in Ruhe lassen mussten. Hirsekolben - bei Nicki geklaut

Der einzige Lichtblick war Chico, der anscheinend schon länger dort wohnte. Wenn er auch zunächst nicht viel von mir wissen wollte, so sah er doch wenigstens so aus wie ich! Chico wurde ständig von Mam' herumgetragen, während ich einen ganzen Tag lang in diesem Käfig sitzen musste, der so ganz komisch eingerichtet war. Da gab's ein Brett in der Ecke und quer durch den Käfig war ein Band aus Sisal gespannt. Was soll ein Vogel mit so einer Einrichtung? Das hab ich erst begriffen, als Chico zum ersten Mal bei mir mit im Käfig saß. Chico war nämlich behindert, sein rechtes Bein war verdreht und stand fast senkrecht nach oben. Deshalb konnte er nicht so gut klettern und viel besser auf einem Band als auf einer Stange schlafen. Ich mochte Chico trotzdem gerne, also hab ich ganz solidarisch auch auf dem Band geschlafen, ganz dicht neben ihm.

Am zweiten Tag machte Paps den Käfig auf und ich durfte zum ersten Mal im Wohnzimmer fliegen. Weil ich mich ja noch nicht auskannte, hab ich mir erst mal ganz ordentlich den Kopf gestoßen. Das hat sogar ein bisschen über der Nase geblutet. Aber dann hab ich einen prima Landeplatz gefunden. Da stand nämlich so ein riesengroßer Philodendron in der Ecke mit ganz großen Blättern. Auf denen konnte man sogar richtig schaukeln. Mam' mochte diesen Philodendron anscheinend nicht und schimpfte immer, wenn ich mit ihm gespielt hab. Warum stellt sie denn dann überhaupt so ein Teil ins Wohnzimmer? Das hab ich wirklich nicht verstanden, also hab ich ihr geholfen, das Ding so nach und nach abzubauen und irgendwann war er so klein, dass sie ihn mühelos raustragen konnte.

Wenn ich im Wohnzimmer rumgeflogen bin, hat mich Chico immer ganz traurig angesehen. Er konnte nämlich nicht fliegen, seine rechte Schwinge war nicht zu gebrauchen. Ich glaube, er mochte mich deswegen anfangs auch überhaupt nicht leiden. Fast zwei Wochen lang hat er kein Wort mit mir gesprochen. Das hat sich erst geändert, als er von einem Spaziergang mit frischen Maiskolben zurückkam. Die haben ihm so doll geschmeckt, dass er ganz, ganz schnell gefressen hat und die Schalen sind ihm überall am Schnabel geklebt. Die hab ich ihm dann weggezupft und das fand er so nett, dass wir Freundschaft geschlossen haben.

Spaghetti !Von diesem Tag an waren wir unzertrennlich. In den Käfig mussten wir nur noch zum Schlafen oder wenn mal ausnahmsweise weder Mam' noch Paps zu Hause waren. Den ganzen Tag über waren wir im Wohnzimmer auf unserem Kletterbaum, den Paps für uns gebaut hat. Er hat extra für Chico ein Brett oben draufgenagelt und ich habe Chico gezeigt, wie er über die Leiter da hoch kommt. Wenn Chico zu müde war, zum Futternapf zu klettern, dann hab ich ihm das Essen immer hochgebracht. Dafür hat er mich dann immer im Genick gekrault.

Abends, wenn Mam' auf der Couch lag, ist Chico immer bei ihr unter die Decke gekrochen und ich hab mich zu Paps auf die Lehne gesetzt. Wir hatten immer riesig Spaß zusammen und Paps hat dann angefangen eine ganz große Voliere für uns im Wohnzimmer zu bauen.

Gerade als unser neues Haus fertig war, ist dann was ganz Schreckliches passiert. Chico ist auf dem Kletterbaum ausgerutscht, zuerst mit dem Rücken auf eine Astgabel und dann auf den Boden gefallen. Paps hat ihn dann in ein Körbchen gelegt und ist mit ihm weggegangen. Ich war ganz alleine und hatte fürchterliche Angst.

Paps kam erst nach Stunden wieder zurück, aber er hatte Chico nicht dabei. Ich hab ihn überall gesucht, sogar unter der Couch, aber er war einfach nicht mehr da. Zwei Tage lang hab ich nichts mehr gegessen und auch das neue Haus mochte ich nicht mehr haben. Ich wollte auch nicht mit Mam' oder Paps spielen, ich wollte nur, dass Chico wieder kommt.

Aber er kam nicht - und ich war so unglücklich bis dann nach einer Woche was unglaubliches passiert ist .... aber das soll euch Rudi erzählen!